Orientierung

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Kleine Kinder nimmt man an die Hand, grosse beim Wort. (F.C. Schiermeyer)


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Inhaltsverzeichnis

Orientierung schafft Sicherheit

Angenommen, jemand fährt in dunkler Nacht auf Nebenwegen nach Paris. Plötzlich taucht im Scheinwerferlicht ein Ortsschild auf. Der Fahrer kennt den Ort nicht. Aber er nimmt die Karte hervor. Und er sieht: Ah, da liegt diese Ortschaft. Und er kann erkennen, wie weit es noch geht bis Paris. Und wo die Autobahn verläuft. Anders gesagt: Er kann sich orientieren. Das gibt Sicherheit.

Orientierungslosigkeit dagegen schafft Unsicherheit. Unsicherheit macht Angst und führt zu Abhängigkeiten. Das gilt auch und gerade fürs Lernen. Denn lernen soll ja von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit führen. Alerdings: In tradierten schulischen Settings dreht sich die Orientierung um die Lehrperson. Sie ist die Orientierung. Sie sagt, wann was zu geschehen hat. Sie sagt, was gut ist und was nicht. Die entsprechenden Anpassungsleistungen werden honoriert. Das schafft Abhängigkeiten. Doch eben: Die schulische Settings müssen den Lernenden Orientierung bieten auf ihrem Weg in die Unabhängigkeit.



Orientierung an Zusammenhängen

Die Orientierung an Inhalten erleichtert den Wissensaufbau. Denn: „Wissen ist der entscheidende Schlüssel zum Können.“ (Stern 2007) Damit ist nicht eine Ansammlung lebloser Fakten gemeint. „Mit derartigem Wissen kann man mit etwas Glück einige Runden im Fernsehquiz überstehen. Ansonsten ist isoliertes Faktenwissen unbrauchbar. Zweifellos sieht ein Grossteil des in der Schule erworbenen Wissens genau so aus: einige korrekte Fetzen aus einem wüsten Haufen Müll. (...) Es gibt intelligentes und weniger intelligentes Wissen. Die Redewendung ‚Wissen vermitteln’ ist, wenn es um intelligentes Wissen geht, unangemessen. Intelligentes Wissen kann nicht über eine Art Fotokopierprozess vom Kopf des Lehrers in den Kopf des Schülers übertragen werden. Es muss vom Lernenden konstruiert werden, indem er mit der neu eingegangenen Information an sein bereits bestehendes Wissen anknüpft. Je mehr Wissen er hat und je besser dieses strukturiert ist, umso leichter kann er neu eingehende Informationen aufnehmen.“ (Stern 2007) Oder wie heisst es in der Bibel: Wer hat, dem wird gegeben.



Orientierung an Zielen

Schulische Arrangements müssen intrinsisch lohnende Aktivitäten zum Ziel haben. So fordert denn auch der internationale PISA-Verantwortliche: „Schüler müssen in die Lage versetzt werden, ihre ei-genen Ziele zu bestimmen, ihr Lernen selbst zu organisieren, Lernfortschritte zu bewerten und ihre Lernstrategien sich verändernden Bedürfnissen anzupassen.“ (Schleicher 2002) Das heisst: Lernende müssen lernen, (schulische) Ziele zu haben. Denn: Menschen tun im Grunde immer nur das, was sie tun wollen. Oder anders gesagt: Das einzige Ziel, gegen das ein Mensch sich nicht wehrt, ist sein eigenes. Deshalb geht es darum, dass Lernende sich ihrer Ziele und Vorstellungen bewusst werden, dass sie ihre Intentionen formulieren und verbalisieren können. Mit der Versprachlichung entwickeln sie ein inneres Bild dessen, was entstehen soll. Und das ist im Prinzip der wirkungsvollste Referenzwert. Das setzt aber voraus, dass Ziele und Intentionen klar und SMART formuliert sind:

S Spezifisch, klar, eindeutig, konkret Was genau? Wie sieht das Ergebnis aus? Was kann ich (Tätigkeit)?
M Messbar, sinnlich wahrnehmbar Woran zu erkennen (Form/Indikatoren)? Wie riecht es?
A Ausführbar, im eigenen Handlungsbereich Welches sind die Gelingensbedingungen?
R Relevant, emotionale Bezogenheit Was hat es mit mir – auch emotional – zu tun?
T Terminiert, zeitliche Verbindlichkeit Wann? Bei welcher Gelegenheit?



Formelle Orientierung

Lernen ist ein individueller Konstruktionsprozess. Lernende lernen selbst. Es geschieht einfach. Wer aber sein Lernen zielführend gestalten will, muss sich orientieren können. Und zwar an Inhalten! Lernende müssen wissen, was man können könnte. Sie müssen wissen, wo sie stehen. Sie müssen Ziele sehen. Und das alles auf der Basis von klaren und transparenten Inhaltsbeschreibungen. Denn kompetenzorientiertes und selbstwirksames Lernen braucht Orientierung in Form von Referenzwerten.

Selbstwirksames Lernen verlangt nach Arrangements, die es Lernenden ermöglichen, ihr Lernen selbst in die Hand nehmen können. Ein methodischer Ansatz dabei: Referenzieren. Worum geht es dabei? Vereinfacht ausgedrückt geht es darum, individuelle Leistungen mit einem Referenzwert in Beziehung zu bringen. Diesen Referenzwert und damit die inhaltliche Basis bilden so genannte Kompetenzraster.

„Unbestritten ist“, stellt Anton Strittmatter klar, „dass aus dem heutigen Nebel der überladenen Lehr-pläne und diffusen sowie widersprüchlichen Ansprüche an Schule und Unterricht herausgefunden werden muss, dass der Bildungsauftrag stärker fokussiert werden muss, und dies in Form von Kompetenzbeschreibungen (in der Art des Europäischen Sprachenportfolios) und zugeordneten Standards des Erreichens durch die Lernenden der verschiedenen Bildungsstufen. Dieser Ansatz macht jedoch nur dann Sinn, wenn die Standards eben auch Standards des Erreichens sein dürfen, was eine Politik des ‚Mastery Learning’ voraussetzt.“ (Strittmatter 2006)



Informelle Orientierung

Menschen brauchen Orientierung. Diese Orientierung kann formeller Art sein. Regeln, Vorschriften, Abmachungen, Zielformulierungen. Doch viel entscheidender für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen sind die Erwachsenen (und immer mehr auch die Peergroups). Sie gestalten mit ihrem Verhalten die Referenzwerte, durch sie werden Konventionen erlebbar. Wer als Lehrer immer zu spät kommt, bringt damit indirekt zum Ausdruck, dass es nicht wichtig ist, pünktlich zu sein. So bilden sich Regeln. Das heisst: Die Kultur einer Institution bildet sich aus dem Verhalten der Werte setzenden Personen in Entscheidungssituationen. Dazu gehören Fragen wie: Werden Grenzen gesetzt? Wird Widerstand geleistet? Werden Vereinbarungen eingefordert? Und wenn ja: wie?




Quellen, Ressourcen, Links

Quellen

Müller, Andreas: Lernen steckt an. hep-Verlag. Bern. 2001

Müller, Andreas: Wenn nicht ich, ...? Und weitere unbequeme Fragen zum Lernen in Schule und Beruf. hep-Verlag. Bern. 2002

Müller, Andreas: Erfolg! Was sonst? Generierendes Lernen macht anschlussfähig. hep-Verlag. Bern. 2004

Müller, Andreas: Eigentlich wäre Lernen geil. Wie Schule (auch) sein kann: alles ausser gewöhnlich. hep-Verlag. Bern. 2006

Müller, Andreas: Mehr ausbrüten, weniger gackern. Denn Lernen heisst: Freude am Umgang mit Wider-ständen. Oder kurz: vom Was zum Wie. hep-Verlag. Bern. 2008

Schleicher, Andreas: Nach PISA: Hat das mehrgliedrige Schulwesen ausgedient? In: Universitas. Orientierung in der Wissenswelt. Nr. 674/August 2002

Stern, Elsbeth: In: Psychologie heute compact .2007

Strittmatter, Anton: Grundzüge einer Heterogenitäts-Pädagogik. In: Journal für Schulentwicklung. 2/2006


Ressourcen

http://www.lerndesign.ch/lernmaterialien/
Kompetenzraster zu vielen Schulfächern und Lernmaterialien zum Downloaden (Institut Beatenberg)


Links

http://bscw.avmz.uni-siegen.de/pub/bscw.cgi/d831847/Sitzung%206%20-%20Deci%20Ryan%20Selbstbestimmungstheorie%20aus%20ZFP%C3%84D.PDF
Grundlagentext zur Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan. Konzept der Intentionalität.

http://de.wikipedia.org/wiki/Erziehung
Auseinandersetzung mit dem Begriff „Erziehung“, viele Links und Erklärungen.

http://www.psychologie-seiten.de/?Beobachtungslernen:Bedingungen_der_Vorbildwirkung Hinweise zur Entstehung und zur Wirkung von Vorbildern

http://uni.istya.de/psychologie/node119.html
Motivationstheorie der Vorbildwirkung

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