Aufmerksamkeit

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"Jeder weiß, was Aufmerksamkeit ist. Es ist die Besitzergreifung des Geistes, in deutlicher und lebhafter Weise, von einem von anscheinend mehreren gleichzeitig möglichen Objekten oder Gedankengängen. Zuwendung und Konzentration des Bewusstseins gehören zu ihren Voraussetzungen. Sie impliziert Vernachlässigung einiger Dinge, um andere besser verarbeiten zu können, und sie ist ein Zustand mit einem echten Gegenteil, nämlich dem verwirrten, benommenen, zerstreuten Zustand, der auf Französisch distraction und auf Deutsch Zerstreutheit heißt." William James

Inhaltsverzeichnis

Was ist Aufmerksamkeit?

Aufmerksamkeit bezeichnet der Psychologe William James als „Besitzergreifung des Geistes“ von einem möglichen Objekt oder Gedankengang. Nicht alle Objekte der Außenwelt und alle Gedanken der Innenwelt können gleichzeitig beachtet werden. Aufmerksamkeit ist die Ressource, die dem jeweils aktuell wahrgenommene Objekt der Außenwelt, bzw. dem aktuell verfolgten Gedanken zuteil wird. Aufmerksamkeit wird deshalb auch mit einem Lichtkegel bzw. Scheinwerfer verglichen, der bestimmte Teile beleuchtet und viele andere im Dunkeln lässt. Die Zuwendung von Aufmerksamkeit ist eine Grundlage der bewussten Wahrnehmung der Umwelt, der Gedanken und Gefühle.

Die neurowissenschaftliche Sichtweise auf Aufmerksamkeit

Es wurde oft angenommen, dass Aufmerksamkeit ein distinktes einzelnes Konzept, eine generelle Eigenschaft des gesamten Gehirns sei. Bildgebende Verfahren konnten jedoch zeigen, dass es kein generelle Eigenschaft, sondern verschiedene Systeme gibt. Nach dem Modell von Michael Posner und Kollegen unterteilt sich das Konzept der Aufmerksamkeit in drei verschiedene Systeme, d.h. Aufmerksamkeitsnetze. Sie können klar voneinander abgegrenzt werden, auch wenn der Volksmund ihnen mit Aufmerksamkeit identische Namen zuweist.

Aufmerksamkeit als Vigilanz und Wachheit

„Ich war gar nicht aufmerksam. Ich glaub ich bin ein bisschen weggedöst.“

Aufmerksamkeit als Vigilanz und Wachheit wird in Posners Modell im „Alerting“ Netzwerk abgebildet. Hierbei geht es um allgemeine Wachheit. Vigilanz versetzt einen Menschen in die Lage ohne Verzögerung auf Reizsituationen oder Veränderungen der Umwelt zu reagieren. In dem „Alerting“ Netzwerk wird der Wachheitszustand aufrechterhalten und bei Vorwarnung sogar erhöht.

Das „Alerting“ Netzwerk wird durch den Neurotransmitter Noradrenalin gesteuert. Es hat seinen Ursprung im Nucleus coeruleus. Das Netzwerk beinhaltet auch frontale und parietale Regionen des Kortex.

Das „Alerting“ Netzwerk reift die gesamte Jugend hindurch bis hinein in das Erwachsenenalter. Im Grundschulalter scheint es stabil auf einem eher niedrigen Niveau zu ruhen (Rueda et al. 2004).

Aufmerksamkeit als (Um-)Orientierung

„Ich war gar nicht aufmerksam. Ich hab gar nicht gesehen, dass du hinter mir durch die Tür wolltest.“

Aufmerksamkeit als (Um-)Orientierung wird in Posners Modell im „Orienting“ Netzwerk abgebildet. Hierbei geht es um die Auswahl des „Objekts oder Gedankengangs“ auf das die Aufmerksamkeit gerichtet wird. Aufmerksamkeit als (Um-)Orientierung bezeichnet die Fähigkeit, spezifische Informationen aus einer Vielfalt von Informationen auszuwählen. Das „Orienting“ Netzwerk hat dabei die Aufgaben, die Abwendung vom alten Stimulus und den Wechsel hin zum neuen Stimulus abzuwickeln.

Das „Orienting“ Netzwerk umfasst z.B. das Pulvinar, die Colliculi superiores und den posterioren Parietalkortex.

Es wird davon ausgegangen, dass das „Orienting“ Netzwerk schon im Alter von 4 bis 6 Jahren ausgereift ist (Rueda et al. 2004). Unterschiede zwischen einzelnen Menschen sind nicht auf einen Reifungsgrad zurückzuführen.

Aufmerksamkeit als Konzentration oder exekutive Kontrolle

„Ich war gar nicht aufmerksam. Ich kann mich einfach nicht darauf konzentrieren.“

Aufmerksamkeit als Konzentration oder exekutiver Kontrolle wird in Posners Modell im Netzwerk für „Executive Control“ abgebildet. Hierbei geht es darum, sich bewusst einem Stimulus zuzuwenden auch, wenn dabei anderes ausgeblendet werden muss. Das „Executive Control“ Netzwerk gilt als top-down Kontrollinstanz zur Überwachung und Lösung von Aufmerksamkeitskonflikten. Eine der bekanntesten Aufgaben die nach exekutive Kontrolle und Inhibition verlangen, ist der Stroop-Test.

Das Netzwerk für die Exekutive Kontrolle wird durch den Neurotransmitter Dopamin gesteuert. Es wird auch als mesokortikales dopaminerges System bezeichnet, da es von den Basalganglien in die kortikalen Gebiete des Anterior cingulate und des präfrontalen Kortex reicht.

Dieses Netzwerk entwickelt sich stark im Alter von 4 bis 7 Jahren. Nach dem 7. Lebensjahr gibt es kaum Unterschiede im Vergleich zur Leistung von Erwachsenen (Rueda et al. 2004).

Quellen, Ressourcen, Links

Rueda et al. 2004: Development of attentional networks in childhood http://www.sacklerinstitute.org/users/jin.fan/publications/DevelopmentOfANTInChildhood.pdf

englisches Schaubild zu den Gehirnstrukturen des posterioren Aufmerksamkeitssystems („Orienting“ Network) http://mechanism.ucsd.edu/~bill/gall/post-ats.jpg

englisches Schaubild zu den Gehirnstrukturen des antrioren Aufmerksamkeitssystems („Executive Control“ Network) http://mechanism.ucsd.edu/~bill/gall/anters.jpg

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